| Mit dem spannenden Thriller Killjoy erscheint das Erstlingswerk der jungen schottischen Autorin Anne Fine. Es beweist, daß die Autorin durchaus Talent zur Spannungsliteratur hat. Der englische Titel Killjoy (zu deutsch: Der Spielverderber) klingt vielversprechend und weckt die Neugierde beim Blättern. Um was geht es? Kurz gesagt handelt der Roman von einer Haßliebe zwischen zwei Menschen, die zunächst für beide wie ein albernes Spiel beginnt und dann so stark ausgelebt wird, daß der Verlierer sein Gesicht nicht mehr wahren kann und zum grausamen Spielverderber wird. Ian Laidlaw, Professor für Politologie und Fakultätsvorsteher an einer schottischen Universität, hat sich mittlerweile daran gewöhnt, daß seine Umwelt überaus höflich und sehr bedacht mit ihm umgeht. Er hat das den Narben seiner rechten Gesichtshälfte zu verdanken. Obwohl er sie schon seit 40 Jahren hat -- im Alter von neun Jahren geriet er mit einem Schäferhund aneinander -- machen sie ihm immer noch zu schaffen. Er geht grundsätzlich auf der rechten Seite die Treppe hinunter, in Korridoren läuft er rechts an der Wand entlang und im Fahrstuhl steht er gewöhnlich ganz rechts. Seine Tage sind wohlgeordnet und sorgsam unterteilt. Und gerade an einem so ereignislosen Tag geschieht das für ihn Unfaßbare. Eine seiner Studentinnen besitzt die Frechheit, ihn während eines seiner Seminare mitten ins Gesicht zu ohrfeigen. Mit dieser Ohrfeige prallen mit aller Wucht zwei Charaktere aufeinander, die sich besser nie getroffen hätten. Das Mädchen fühlt sich zu dem viel älteren Mann durch sein Stigma hingezogen und lebt seine naive Neugierde aus. Laidlaw wird von dem unstillbaren Verlangen getrieben, diese Frau voll und ganz für sich zu vereinnahmen. Er dringt so lange in sie, bis er jede Person, jeden Freund ihrer Kindheit auswendig kennt. Jedes Gespräch, das sie in seiner Abwesenheit geführt hat, muß sie ihm endlos wiederholen. Nicht einen selbständigen Gedanken soll sie mehr zuwege bringen, ohne daß er davon Kenntnis erhält. Anne Fine erzählt ihren Roman überaus spannend, indem sie Ian den Tathergang rückblickend einem imaginären Polizisten in allen Einzelheiten schildern läßt. Der Leser wird während der Lektüre dieses Romans hin- und hergerissen zwischen Neugier und Abscheu, doch letztendlich siegt auch bei ihm die Neugierde. Er muß einfach alle Einzelheiten kennen, bevor er das Buch aus der Hand legt, und gerade mit Details, so abstoßend sie auch sein mögen, spart Anne Fine an keiner Stelle. |