In dem neuen Roman Das Mädchen Orchidee erzählt Pearl S. Buck von der letzten chinesischen Kaiserin Tsu Hsi, die in ihrer Jugend eine schöne Konkubine, in der Mitte des Lebens eine glanzvolle Kaiserin mit hoher staatsmännischer Begabung war und im Alter als eine Göttin verehrt wurde. »Alter Buddha« wurde die letzte Mandschu-Herrscherin auf dem Drachenthron schon zu Lebzeiten genannt. In stürmischer Zeit wurde Tsu Hsi als Tochter einer Familie niederen Ranges geboren. Die Siebzehnjährige befahl man mit gleichaltrigen Mandschu-Mädchen zur Vorstellung in den Kaiserpalast in die Verbotene Stadt. Reizend und klug, mutwillig und ausgelassen, gefiel sie dem Kaiser Hsien Feng, der sie als Lieblingskonkubine erwählte. Durch Liebenswürdigkeit und Takt gewann sie auch die Zuneigung der Kaiserin. Nach der Geburt eines Sohnes erhielt sie den Rang der »Westlichen Kaiserin«, wahrend die Gemahlin des Kaisers als die »Östliche Kaiserin« ihr freundschaftlich zugetan blieb. Durch List und Klugheit und durch die schicksalhafte Verbindung von Schönheit und Intelligenz hat sich Tsu Hsi zu Chinas größter Herrscherin entwickelt. Von 1860 bis 1908 hat diese widerspruchsvolle Frau das Reich und die Dynastie machtvoll zusammengehalten Das Haus der Mandschu war Veränderungen allgeneigt; in Kastenstolz und Traditionen verkapselt, verschloß es sich den Zeichen der neuen Zeit. Aber im Anschluß an den Boxerautstand erzwangen die Westmächte nach der barbarischen Plünderung und Brandschat-zung der Sommerresidenz in Peking die Erschließung des Landes für den Fortschritt, der dann zum Untergang des alten China führen sollte. Auf der Flucht vor den Engländern, im Jagdschloß Jehol, nördlich Peking, starb der Kaiser. Tsu Hsi blieb mit ihrem Sohn Tung Tschih, dem Thronfolger, zurück. Sechsjährig ließ sie ihn krönen, und schon zehn Jahre später schloß er seine romantische Liebesheirat mit Alute. Als auch der junge Kaiser plötzlich stirbt, handelt Tsu Hsi schnell und entschlossen und macht ihren dreijährigen Neffen zum Thronerben, mit dem die Mandschu-Dynastie sich später dem Untergang zuneigen sollte. Vier Jahrzehnte chinesischer Geschichte, europäische Interventionen und dramatische Staatsaktionen ziehen in bewegten Szenen vorüber. Die Liebesaffären der Kaiserin, der Tod des Kaisers und des geliebten Sohnes sind die bewegenden Höhepunkte. Die Mißwirtschaft der listigen Eunuchen, die intimen Hofszenen und dieTaiping-Rebellion werden gegenwärtig. Nahezu magisch ist die Macht der Kaiserin über Tiere; die Liebe ihrer Freunde und der Haß ihrer Gegner sind maßlos. Ihre Gärten, Teiche und Paläste, die Förderung der Schönen Künste, der Architektur, der Malerei und Kalligraphie, zeugen ebenso für das Format dieser großen Frau wie ihre politischen Erfolge. Diese Herrscherin, die man mit Katharina von Rußland und mit Viktoria von Eng-land verglichen hat, schulen in allen Farben. Man hat sie die verschlagenste und tugendhafteste, die grausamste und mildeste aller Herrscherinnen genannt. Sicher war sie eine der rätselhaftesten Ihr Leben verlief wie ein phantastischer Roman, der den ganzen Zauber Chinas, des altvergangenen und des neu heraufdrängenden, noch einmal strahlend in sich vereint.
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